Nachrichten

Nachrichten

Superstarker Franken zieht Wirtschaft Richtung Deflation – und bringt die SNB ins Dilemma

June 07, 2025

Deflation kehrt zurück
Die Kehrseite der Beliebtheit: fallende Preise im Inland. Der Schweizer Verbraucherpreisindex rutschte im April erstmals seit vier Jahren unter null – getrieben vor allem durch billigeren Strom und Importgüter, die nun in Franken gerechnet deutlich günstiger sind. Die Inflation fiel von 0,7 % im November auf 0,3 % im Februar und schließlich auf 0 % im April.

Zinspolitik: SNB bereits bei 0,25 % – bald wieder negativ?

Im März 2025 senkte die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,25 % – die fünfte Senkung in der aktuellen Lockerungsrunde.

Terminkontrakte sehen derzeit eine rund 35%ige Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen noch 2025 ins Minus rutschen.

Die jüngste SNB-Prognose rechnet mit einer Inflation von 0,4 % im Jahr 2025 und 0,8 % für 2026–27 – Werte, die bei weiterer Frankenstärke kaum haltbar erscheinen.
Zwischen 2014 und 2022 führte die SNB das weltweit tiefste Negativzinsregime bei -0,75 %. Die Erfahrung zeigt: darunter lagern Großanleger ihr Geld lieber in Tresoren – die effektive Untergrenze ist nahe.

Interventionsdilemma: Wieder Geld drucken?
Erreicht der Zins die Untergrenze, greift die SNB klassisch ein: Franken verkaufen, Fremdwährungen kaufen. Im letzten Zyklus wuchs ihre Bilanz von etwa 100 Mrd. CHF auf 1,04 Bio. CHF – über 100 % des BIP. Zwar liegt sie heute bei ca. 843 Mrd. CHF, doch erneute Interventionen könnten sie wieder hochtreiben – mit globalen Folgen:

Euro-Anleihen: Starke Käufe aus der Schweiz drücken vor allem periphere Renditen.

US-Tech-Aktien: Die SNB gehört zu den 50 größten Aktionären von Apple, Microsoft und Nvidia – weitere Käufe könnten neue Kursrekorde auslösen.

Rohstoffe: Eine Umschichtung weg vom Dollar könnte Öl und Gold verteuern.

Das Damoklesschwert „Währungsmanipulation“ der USA
Ein zentrales Hindernis für neue FX-Interventionen ist politisch: Die Schweiz erfüllt bereits zwei der drei US-Kriterien für Währungsmanipulation – ein hoher bilateraler Überschuss mit den USA (≈ 26,9 Mrd. CHF 2023) und ein Leistungsbilanzüberschuss (~3 % des BIP). Die dritte Bedingung – einseitige Interventionen – wäre erfüllt, falls die SNB erneut massiv Franken verkauft.
Laut ING-Analysten erklärt dies, warum die SNB den jüngsten Anstieg des Frankens bisher toleriert: Man wolle zunächst den Zinsspielraum ausschöpfen, um Strafzölle von bis zu 32 % – den höchsten in der OECD – zu vermeiden.

Globale Welleneffekte

Euro-Anleihen: Zusätzliche SNB-Käufe könnten italienische und spanische Renditen weiter drücken – und die EZB unter Druck setzen.

US-Aktien: Noch mehr Schweizer Geld in Big Tech erhöht die Bewertungsspannung.

Rohstoffpreise: Umschichtung aus dem Dollar kann Öl und Gold treiben – und Inflation exportieren.

Schwellenländer-Carry: Negative CHF-Zinsen machen Franken-Finanzierung wieder attraktiv – Kapital fließt in Schwellenländeranleihen.

Kann sich der Franken natürlich abschwächen?
Ein starker Rebound des US-Dollars oder geopolitische Entspannung könnten sichere Zuflüsse verlangsamen – beides erscheint derzeit jedoch unwahrscheinlich. Die Franken-Aufwertung wirkt selbstverstärkend: Mehr Stärke → mehr Deflation → noch lockere SNB → noch mehr Kapitalzufluss.

Praktische Tipps für Grenzgänger & Verdiener in CHF

Wechselkursalarme bei 0.93–0.95 EUR/CHF setzen: Überraschende SNB-Senkungen oder Ankündigungen drücken den Kurs oft innerhalb von Stunden um 1–2 %.

Überweisungen staffeln: Zwei Teilbeträge pro Monat verringern das Timing-Risiko.

Reserven diversifizieren: Ein Teil des Ersparten in EUR oder USD schützt vor einer möglichen Franken-Schwäche bei Intervention.

Fazit: SNB zwischen Deflation und Diplomatie gefangen
Die SNB steht vor einer Zwickmühle: Entweder sie toleriert Deflation und Wachstumsabkühlung – oder sie interveniert und riskiert US-Gegenmaßnahmen. Beide Wege könnten weltweite Auswirkungen auf Anleiherenditen, Tech-Bewertungen und Rohstoffpreise haben. Wer in Franken verdient, aber in Euro lebt, kommt um aktives Währungsmanagement nicht herum.

Wir verwenden Cookies auf unserer Website um:

  • Ihnen den Inhalt in Ihrer Sprache anzuzeigen
  • relevante Inhalte schneller anzuzeigen
  • unseren Service laufend zu verbessern

Weiterführende Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

?
Diese Cookies sind technisch notwendig für die einwandfreie Funktionsweise der Website. Diese Cookies können nicht abgelehnt werden.
?
Statistik Cookies sammeln Informationen über die die Nutzung unserer Website. Sie helfen uns dabei, das Nutzererlebnis und unsere Inhalte zu verbessern.
?
Marketing Cookies, welche auch als Targeting oder Advertising Cookies bekannt sind, erlauben es uns personalisierte Inhalte oder Werbung auf externen Partnerwebsites anzeigen zu lassen.