
SNB-Präsident Schlegel: „Keine einfache Situation“, da Inflation nahe Null liegt
February 02, 2026Das Dilemma der niedrigen Inflation
Im Gespräch mit dem Sender SRF betonte Schlegel, dass sich die SNB zwar klar zur Preisstabilität bekenne, die aktuelle Inflationsrate jedoch die untere Grenze des Zielbands von 0–2 % teste. Diese Nähe zum deflationären Bereich, kombiniert mit Nullzinsen, schränke den Handlungsspielraum der Bank erheblich ein. Schlegel bezeichnete diese Kombination als „unangenehm“ und räumte ein, dass dies „keine einfache Situation für die Geldpolitik“ sei.
Das Gespenst negativer Zinsen
Der Präsident wies darauf hin, dass der SNB im Wesentlichen zwei Instrumente zur Verfügung stehen: Zinssatzanpassungen und Interventionen am Devisenmarkt. Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr zu Negativzinsen – einer Politik, die zwischen 2014 und 2022 angewendet wurde – zeigte sich Schlegel pragmatisch, aber zurückhaltend.
Er bekräftigte, dass die SNB bereit sei, die Zinsen bei Bedarf wieder in den negativen Bereich zu senken. Gleichzeitig betonte er, dass die „Hürde heute höher“ liege als in früheren Zyklen. Eine Einschätzung zur konkreten Wahrscheinlichkeit einer Wiedereinführung negativer Zinsen, die bei Kreditgebern und Sparern gleichermaßen unpopulär sind, lehnte er ab.
Ausblick und Deviseninterventionen
Für die nahe Zukunft hält Schlegel die aktuellen geldpolitischen Bedingungen für angemessen. Er erklärte, dass die SNB in den kommenden Monaten mit einem leichten Anstieg der Inflation rechne. Dennoch bleibe die Zentralbank wachsam in Bezug auf den Wechselkurs des Schweizer Frankens. Schlegel bestätigte, dass die SNB die Währung weiterhin genau beobachten und bei einer übermäßigen Aufwertung zum Schutz der Preisstabilität am Devisenmarkt eingreifen werde.
Keine Alternative zum US-Dollar
Zum Thema Währungsreserven äußerte sich Schlegel in der Sendung „Eco Talk“ zur jüngsten Schwäche des US-Dollars. Trotz des jüngsten Wertverlusts erklärte er, es gebe für Zentralbanken, die auf hohe Liquidität angewiesen seien, „keine Alternative“ zu US-Staatsanleihen. Er betonte, dass der Markt für US-Treasuries für Staatsfonds und Zentralbanken nach wie vor der größte und liquideste verfügbare Markt sei.
