
Schweizerische Nationalbank führt größte Zinssenkung seit fast einem Jahrzehnt durch angesichts niedriger Inflation und Druck auf den Franken
December 12, 2024Auswirkungen auf den Schweizer Franken und Marktreaktionen
Nach der unerwarteten Zinssenkung der SNB wertete der Schweizer Franken gegenüber den wichtigsten Währungen ab. Der Euro stieg um fast 0,7 % auf 0,9339 Franken, während der Dollar um 0,4 % auf 0,8883 Franken zulegte. Schweizer Aktien reagierten positiv: Der Hauptindex in Zürich legte um 0,45 % an diesem Tag zu. Diese Maßnahme der SNB stellt die stärkste Senkung der Kreditkosten seit der Notzinssenkung im Januar 2015 dar, die das Mindestwechselkursregime des Frankens zum Euro beendete.
Neue Ausrichtung unter dem Vorsitzenden Martin Schlegel
In seinen ersten Äußerungen als SNB-Vorsitzender erklärte Martin Schlegel: „Mit unserer heutigen geldpolitischen Lockerung begegnen wir dem geringeren Inflationsdruck.“ Er betonte das Engagement der SNB, die wirtschaftliche Lage genau zu beobachten und die Politik bei Bedarf anzupassen, um die Inflation im Zielbereich von 0–2 % zu halten und damit mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten.
Vergleich mit Zinssenkungen anderer Zentralbanken
Die aggressive Zinssenkung der SNB folgt ähnlichen Maßnahmen anderer Zentralbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird voraussichtlich später am Donnerstag eine Senkung um 0,25 Prozentpunkte ankündigen, während die US-Notenbank (Fed) am 18. Dezember eine Senkung erwartet. Zudem hat die Bank of Canada kürzlich ihren Leitzins um 50 Basispunkte gesenkt. Diese koordinierten Zinssenkungen spiegeln einen globalen Trend zur Lockerung der Geldpolitik als Reaktion auf unterschiedliche wirtschaftliche Herausforderungen wider.
Herausforderungen für Schweizer Exporteure
Die Aufwertung des Schweizer Frankens stellt eine erhebliche Herausforderung für Schweizer Exporteure dar, da ihre Waren auf den internationalen Märkten, wo die Nachfrage insbesondere in Europa und China gedämpft bleibt, teurer werden. UBS-Ökonom Alessandro Bee bemerkte: „Niedrige Inflation und Risiken für die europäische Wirtschaft und damit auch für die Schweizer Wirtschaft könnten wesentliche Treiber für diese Zinssenkung gewesen sein.“ Durch die Ausweitung des Zinsdifferentials will die SNB die Stärke des Frankens abfedern und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exporte stärken.
Ausblick auf die Geldpolitik der SNB
Die SNB erwartet für die Zukunft ein Wirtschaftswachstum in der Schweiz von 1 % bis 1,5 % für 2025, was leicht unter den bisherigen Prognosen liegt. Die Inflationsprognosen wurden nach unten korrigiert, mit Erwartungen von 1,1 % im Jahr 2024, 0,3 % im Jahr 2025 und 0,8 % im Jahr 2026. Die vorausschauenden Leitlinien der SNB deuten auf mögliche weitere Zinssenkungen hin, auch wenn die Rückkehr zu negativen Zinsen weiterhin eine Herausforderung darstellt. Alexander Koch, Leiter der Makro- und Festzinsforschung bei Raiffeisen, kommentierte: „Die SNB hat ihre Forward Guidance für mögliche weitere Zinssenkungen gelockert. Mit diesem Schritt hat die SNB jedoch wahrscheinlich die Markterwartungen für niedrigere Zinsen gefestigt.“
Fazit
Die größte Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank seit fast einem Jahrzehnt unterstreicht ihren proaktiven Ansatz im Umgang mit niedriger Inflation und einem starken Schweizer Franken. Während globale Zentralbanken weiterhin ihre Geldpolitik anpassen, werden die Entscheidungen der SNB eine entscheidende Rolle bei der Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität der Schweiz und der Aufrechterhaltung der Preisstabilität angesichts externer wirtschaftlicher Herausforderungen spielen.
