
EU-Talente halten die Schweiz am Laufen – und der starke Franken versüßt das Ganze Freizügigkeit treibt das Schweizer Wachstum an
July 04, 2025Fachkräftemangel wiegt schwerer als politische Skepsis
Trotz Forderungen der SVP, die Bevölkerung auf 9,5 Millionen zu begrenzen, zeigt die Studie keine Hinweise darauf, dass EU-Zuwanderer einheimische Arbeitskräfte verdrängen. Die Arbeitslosigkeit liegt weiterhin nahe am historischen Tiefstand, und die Erwerbsquote unter Schweizer Bürgern steigt – was darauf hindeutet, dass sich ausländische und einheimische Arbeitskräfte eher ergänzen als konkurrenzieren.
Sozialversicherungen: Migranten zahlen mehr ein als sie beziehen
Auch wenn EU-Ausländer einen größeren Anteil an Arbeitslosengeldern beziehen – was auf befristete Verträge zurückzuführen ist –, leisten sie überproportionale Beiträge zur AHV und anderen Sozialwerken. Da das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen bis 2055 von 2,6 auf 2,0 sinken dürfte, wird eine anhaltende Zuwanderung als unerlässlich für die Stabilität des Sozialversicherungssystems dargestellt.
Währungsfaktor: Wie der starke Franken EU-Arbeitskräfte anzieht und belohnt
Die anhaltende Stärke des Franken gegenüber dem Euro – derzeit bei etwa 0,93 EUR/CHF – erhöht den Nettolohn für Grenzgänger. Eine Pflegekraft, die in Genf 5 000 CHF pro Monat verdient, erhält beim Umtausch in Frankreich derzeit rund 4 650 EUR – im Vergleich zu 4 150 EUR vor zwei Jahren. Dieser „Frankenbonus“ hilft nicht nur Schweizer Spitälern, dringend benötigtes Personal zu gewinnen, sondern stärkt auch die Kaufkraft in den angrenzenden Euroländern.
Was das für Arbeitgeber – und Ihr Portemonnaie – bedeutet
Einstellungsstrategie: Unternehmen mit Fachkräftemangel können konkurrenzfähige CHF-Löhne rechtfertigen, da der Wechselkursvorteil Angebote für EU-Bewerber attraktiver macht.
Währungsplanung: Grenzgänger sollten den EUR/CHF-Kurs im Blick behalten – jede Veränderung um einen Rappen verändert den Nettolohn bei einem Gehalt von 5 000 CHF um rund 50 EUR.
Politische Perspektive: Jede Bedrohung der Personenfreizügigkeit könnte das Arbeitskräfteangebot verknappen und Löhne sowie Geschäftskosten erhöhen – und gleichzeitig den Rückfluss von Einkommen in die Eurozone bremsen.
