CHF erreicht 1,0840 EUR: Safe-Haven-Ströme und rechtliche Erfolge für Grenzgänger (Wochenrückblick)
January 26, 2026Der „Greenland-Effekt“: Warum der Franken sprunghaft anstieg
Der Schweizer Franken (CHF) bestätigte in dieser Woche erneut seinen Status als ultimative Sicherheitswährung. Hauptauslöser war eine überraschende Eskalation der handelspolitischen Rhetorik der US-Regierung. Am Montag, dem 19. Januar, schlug Präsident Donald Trump neue Zölle gegen acht Staaten vor, die sich seinen Plänen in Bezug auf Greenland widersetzten. Diese geopolitische Überraschung löste an den globalen Märkten eine unmittelbare Flucht in sichere Häfen aus.
Anleger strömten in den Franken und trieben ihn auf ein neues Monatshoch.
Wochenbeginn (19. Jan): ca. 1,0768 EUR pro 1 CHF
Höchststand (23. Jan): 1,0840 EUR pro 1 CHF
Wochengewinn: rund +1,8 % gegenüber dem Euro
Am Freitag erreichte der Franken Niveaus, die zuvor in diesem Monat nicht gesehen wurden, und übertraf sogar den US-Dollar in relativer Stärke.
Haltung der SNB: Beobachten, aber abwarten
Die rasche Aufwertung des Frankens wird von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aufmerksam verfolgt. Bei einem Leitzins von 0 % und einer für 2026 erwarteten Inflation von nur 0,3 % (gegenüber rund 1,9 % in der Eurozone) bleibt der grundlegende Aufwertungsdruck auf den Franken bestehen.
Eine zu schnelle Aufwertung belastet jedoch die Schweizer Exportwirtschaft. SNB-Vertreter signalisierten diese Woche, dass eine schrittweise Aufwertung Richtung 0,91 EUR (EUR/CHF) Teil der langfristigen Prognose ist, man jedoch bereit sei, am Devisenmarkt zu intervenieren, falls die Volatilität zu stark werde.
Grenzgänger: Eine Woche voller juristischer Erfolge
Neben dem günstigen Wechselkurs brachte diese Woche auch bedeutende regulatorische Neuerungen für Personen, die in der EU leben und in der Schweiz arbeiten.
EU-Gerichtsurteil zu Renten (22. Jan)
In einer wegweisenden Entscheidung stärkte der Gerichtshof der Europäischen Union den sozialversicherungsrechtlichen Schutz von Grenzgängern. Das Urteil präzisiert Rentenansprüche und könnte tausenden Pendlern – insbesondere aus Italien – rückwirkende Nachzahlungen ermöglichen. Dies schafft dringend benötigte Rechtssicherheit für die langfristige Karriereplanung.
Italien ratifiziert Homeoffice-Protokoll (21. Jan)
Gute Nachrichten für die Frontalieri im Tessin: Italien ratifizierte am 21. Januar offiziell das neue Homeoffice-Protokoll (Gesetz 217/2025). Dieses ersetzt die befristeten Pandemie-Regelungen und schafft einen dauerhaften Rahmen für das Arbeiten von zu Hause, ohne Risiken einer Doppelbesteuerung oder sozialversicherungsrechtlicher Probleme.
Frankreich: Die 40-%-Regel in Kraft
Für Grenzgänger aus Frankreich ist das neue permanente System nun vollständig wirksam: bis zu 40 % Homeoffice steuerlich und 49,9 % im Bereich der Sozialversicherung. Bei einem Wechselkurs von 1,0840 EURwar die Kaufkraft eines in der Schweiz verdienten Einkommens in Frankreich selten so hoch.
Fazit
Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, die den Franken stärken, und günstigen Gerichtsentscheidungen macht Ende Januar 2026 zu einer außergewöhnlich guten Phase für Grenzgänger – auch wenn Exporteure die schnelle Aufwertung der Währung mit Sorge betrachten.
