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Besteuerung und grenzüberschreitende Arbeitnehmer in der Schweiz

Besteuerung und grenzüberschreitende Arbeitnehmer in der Schweiz

15 July 2021

Grenzgänger dürfen sowohl in der Schweiz als auch in ihrem Heimatland Sozialabzüge geltend machen, da der Antrag auf Änderung der Besteuerungsregeln abgelehnt wurde.

Abgelehnte Motion

    Im Juni reichte der konservative Tessiner Abgeordnete Marco Chiesa im Ständerat eine Motion ein, um die Praxis der Möglichkeit der Geltendmachung von doppelten Sozialabzügen durch Grenzgänger zu unterbinden. Steuerzahler, die in der Schweiz arbeiten und hier Einkommen erzielen, aber im Ausland wohnen, können in zwei Ländern Sozialabzüge geltend machen - in ihrem Heimatland und in der Schweiz. Die Kantone sind verpflichtet, bei der Berechnung der Quellensteuer für Ausländer einen Abzug für Familienkosten zu berücksichtigen. Der Antrag von Chiesa wurde von der Mehrheit der Abgeordneten abgelehnt. Das bedeutet, dass die Besteuerungsregeln so bleiben, wie sie waren, und rund 340.000 Grenzgänger können weiterhin den doppelten Sozialabzug geltend machen.

Besteuerungsregeln

    Die Schweiz, Frankreich, Italien und Deutschland haben ein Abkommen, das den Schweizer Kantonen erlaubt, die Quellensteuer von den Gehältern der Grenzgänger abzuziehen. Dies ist ein anderer Mechanismus als der, der für in der Schweiz ansässige Arbeitnehmer gilt, die ihr Einkommen deklarieren und jeden Monat in Raten Steuern zahlen. Die von Grenzgängern in der Schweiz gezahlten Steuern werden von ihrer Steuerschuld im Heimatland abgezogen. Dies gilt für alle Grenzgänger mit G-Genehmigung und auch für Ausländer, die keinen ständigen Wohnsitz haben, aber in der Schweiz arbeiten. Bei der Berechnung des Quellensteuersatzes wird das gesamte Bruttoeinkommen aus allen Beschäftigungen, einschließlich der Leistungen aus der Unfall- oder Invaliditätsversicherung, berücksichtigt. In diesem Jahr wurden kleine Änderungen am Quellensteuersystem eingeführt, um den Regeln des EU/EFTA-Abkommens zur Freizügigkeit zu entsprechen. Ihr Ziel ist es, Ungleichheiten bei der Behandlung von grenzüberschreitenden Arbeitnehmern, die der Quellensteuer unterliegen, und solchen, die dem normalen Besteuerungssystem unterliegen, zu beseitigen. Die Änderungen sind jedoch nicht signifikant. Wie sich das Ende der Gespräche zwischen der EU und der Schweiz über ein bilaterales Abkommen auf die Grenzgänger und das Steuersystem auswirken könnte, ist noch nicht bekannt.

Erhobene Steuern
    

Wohin gehen die gesammelten Steuern von Grenzgängern? Der Großteil davon bleibt in der Schweiz, aber ein Teil wird auch an die jeweiligen Wohnsitzländer oder regionalen Behörden verteilt. So zahlte der Kanton Genf im Jahr 2020 315 Millionen Schweizer Franken aus den 2019 eingenommenen Steuern an französische Gebietskörperschaften. Täglich pendeln bis zu 87.000 Grenzgänger von Frankreich nach Genf zur Arbeit. Gemäß einer Vereinbarung aus dem Jahr 1973 werden 3,5 % aller eingenommenen Steuern von Grenzgängern an Frankreich abgeführt, wovon 76 % an Haute-Savoie und der restliche Teil an Ain geht. Das sind zwei Regionen, aus denen die Mehrheit der Grenzgänger kommt. Derweil zahlten die Behörden des Kantons Tessin im Jahr 2020 rund 90 Millionen Schweizer Franken an Italien, aus dem rund 67.000 Grenzgänger im Kanton stammen.

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